Bernhard C Bünker – gelesen von Axel Karner und Manfred Chobot

LESUNG mit Axel Karner und Manfred Chobot
Musikalische Reflexionen: Yedda Chunyu Lin, piano

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Beginn 19.30 Uhr

Wos ibableibt
Dialektgedichte
Bernhard C. Bünker
Zum 70. Geburtstag ausgewählt und herausgegeben von Manfred Chobot und Axel Karner, 280 Seiten, Hardcover, 20 x 12 cm, Erscheinungstermin 28. September 2018
ISBN: 978-3-7084-0620-6

Axel Karner, geboren 1955 in Zlan, Kärnten. Lebt als Autor und Lehrer in Wien. Zuletzt erschienen: Der weiße Zorn (2015), Porträt. Gedichte (2016), Die Zunge getrocknet/De Zungen getrocknet. Gedichte (2018).

Manfred Chobot, geboren 1947 in Wien. Von 1991 bis 2004 Herausgeber der Reihe „Lyrik aus Österreich“. Redakteur der Literaturzeitschrift „Podium“ (1992 bis 1999) und „Das Gedicht“ (1999 bis 2002). gefallen gefällt, Gedichte; Lebenslänglich Wichtelgasse – Wiener Erkundungen (2012); Mich piekst ein Ameisenbär – Weltgeschichten (2013); Doktor Mord. Mini-Krimis und Das Killer-Phantom. Mini-Krimis (2015); Nur fliegen ist schöner. Gedichte (2017); Franz – Eine Karriere. Erzählungen (2017).

Vierzehn Bücher mit Werken von Bernhard C. Bünker (1948‒2010) sind zu seinen Lebzeiten erschienen ‒ lieferbar war in den letzten Jahren keines mehr. Das soll sich nun mit der von Manfred Chobot und Axel Karner herausgegebenen Auswahl an bereits früher veröffentlichten Gedichten endlich wieder ändern.
B. C. Bünker gilt als einer der bedeutendsten Poeten und Erneuerer der kritischen österreichischen Dialektliteratur, die ab den 1970er Jahren die Sprache als Herrschaftsinstrument thematisierte, den Dialekt als emanzipatorisches literarisches Mittel nutzte, um sich sowohl gegen das Establishment als auch gegen eine Mundartdichtung zu wehren, die die Vergangenheit verklärt, Machtstrukturen verharmlost oder der Ausgrenzung von Menschen Vorschub leistet, und statt dessen auf drängende Probleme der Gegenwart aufmerksam machte. Bünkers wichtigste Themen waren die Suche nach einem neuen Heimatbegriff, die Zerstörung der Umwelt, die Kritik an Armut, Fremdenfeindlichkeit und menschenfeindlicher Asylpolitik sowie ein empathisches und solidarisches Schauen auf die soziale Situation der »kleinen Leute«.
Bernhard Christian Bünker (* 14. August 1948 in Leoben; † 16. Juli 2010 in Rastenfeld) war ein österreichischer Lyriker und Erzähler. Er gilt als einer der bedeutendsten Poeten und Erneuerer der österreichischen Dialektliteratur der letzten drei Jahrzehnte des vergangenen Jahrhunderts in Nachfolge der Wiener Gruppe. In den 1970er und 1980er Jahren trieb er, gemeinsam mit den befreundeten Schriftstellern Hans Haid und Manfred Chobot, die Vernetzung und Internationalisierung der neuen ‚kritischen‘ Dialektdichtung konsequent voran.

Bernhard C. Bünker war das älteste von drei Kindern des Ehepaares Liesl und Otto Bünker, evangelischer Pfarrer und Dichter. Mit dem Schuleintritt kam er 1954 nach Kärnten, wo die Familie seit Generationen lebte und die Männer als evangelische Pfarrer wirkten. Er besuchte Schulen in Radenthein, Villach, Klagenfurt und Oberschützen und zog 1970 nach Wien, studierte an der Universität Geschichte, Philosophie und Kunstgeschichte und unterrichtete schließlich evangelische Religion an Wiener Pflichtschulen. Durch seinen Lehrerberuf empfand er sich als Schriftsteller und Dichter finanziell vom schlecht dotierten österreichischen Literaturbetrieb weitgehend unabhängig und in seiner literarischen Arbeit unbeeinflussbar. Er war Mitglied der Grazer Autorinnen Autorenversammlung, Gründungsmitglied des Internationalen Dialektinstituts, erster Präsident des Österreichischen Dialektautorinnen/-autoren Archivs und Mitglied der Literaturvereinigung Podium.
Die Sprache seiner Dichtungen ist durchgängig und konsequent der ihm eigene Kärntner Dialekt. Neben seinen Gedichten, Erzählungen und Satiren umfasst Bünkers Werk auch Liedtexte – vertont von Hans Pleschberger, Gottfried Gfrerer und Bruno Strobl – sowie Hörspiele und Fernsehdrehbücher. 1975 erschien sein erstes Buch, De ausvakafte Hamat, ein dünnes, aber gewichtiges Bändchen Dialektgedichte als kritische Auseinandersetzung mit den Auswüchsen des Fremdenverkehrs in den Alpen am Beispiel Kärnten. Es folgten bis zu seinem Tod dreizehn weitere selbständige Publikationen, zumeist verlegt in Kärntner Verlagen.
Für Bernhard C. Bünker stand neben der politischen und sozialen Intention, neben der Frage nach Qualität und Authentizität von Poesie immer auch der Anspruch, gegen die „Verkitschung der Dialektdichtung im Sinne unrealistischer Wirklichkeitsschau, Postkartenmalerei und Heimattümelei“ anzuschreiben. Er hielt es dabei mit dem amerikanischen Arbeiterpoeten Carl Sandburg (1878–1967), den er in seinem letzten Buch zommengetrogn – eine Art Best Of ein Vermächtnis in der Form eines poetischen Katechismus – zitiert: „Mundart ist eine Sprache, die die Ärmel aufkrempelt, in die Hände spuckt und zupackt […].“ Es gehörte zu Bünkers erklärtem Ziel, die kritische Dialektdichtung in Poesie, Wissenschaft und Medien über regionale und nationale Grenzen hinweg zu verknüpfen. Zu den Betreibern zählten neben ihm Hans Haid und Manfred Chobot auch die Wissenschaftler Wolfgang Pollak (Wien), Peter Pabisch (New Mexico), Oswald Andrae (Norddeutschland), André Weckmann (Elsass) und Julian Dillier (Schweiz). Als besonderes Anliegen galt es, jene traditionalistische Mundartdichtung, die sich als nationalistische Blut- und Bodendichtung und als Wald- und Wiesenpoesie unangenehm hervortat, auf den ihr zustehenden Platz zu verweisen. Eine Neudefinition des Begriffes „Heimat“ als Erfahrung eines sozialen Ortes mit ökologischer und solidarischer Verantwortung durchzieht Bünkers Werk wie ein roter Faden und war für ihn Identität stiftend. Die „Geographie“ seines Menschseins bringt für Bünker das Gedicht die welt ist nicht heimat von Peter-Paul Zahl auf den Punkt. Bernhard C. Bünkers Texte, ob Gedichte oder Erzählungen, sind Liebeserklärungen an seine Kärntner „Heimat“, ein Gebiet zweier Sprachen, der slowenischen und der deutschen Sprache sowie deren unterschiedlichen Dialekte, und an die Menschen dies- und jenseits der Drau. In der Auseinandersetzung mit den politischen Verhältnissen in Kärnten übte er heftige Kritik an der ausgrenzenden Politik gegenüber der slowenischen Minderheit und der Borniertheit, Engstirnigkeit und Hetze der deutschtümelnden Mehrheitsbevölkerung.

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